#bibtag18 – Vortrag „Einsatz humanoider Roboter am Beispiel von Wildau“

19. Juni 2018 Kommentare deaktiviert für #bibtag18 – Vortrag „Einsatz humanoider Roboter am Beispiel von Wildau“

Vortrag Frank SeeligerBernd und Wilma, die beiden humanoiden Pepper-Roboter an der TH Wildau, wurden Im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft geboren. Rund 25.000 Euro kostete das gute Stück, zu dessen „Erziehung“ und damit zu seiner tauglichen Verwendung Manpower benötige, so Frank Seeliger. Diese seien in den rund 4.000 Studierenden der Telematik zu finden gewesen.

Die Ausgangsfrage war: „Wo können wir mit Dienstleistung unterstützen?“ Und genau dieses sei auch die (zum Teil erst noch anvisierte) Aufgabe von Pepper Bernd: Entlastung des Thekenpersonals in Routinefragen bis hin zu etwa 15-minütigen Standard-Führungen für einen ersten Überblick. Für Zeiten mit großem Publikumsandrang etwa würden sich etliche auf den Roboter konzentrieren und damit das Personal entlasten. Bei den üblichen Problemen wie das Bedienen der Drucker oder im ewig gleichen Hinweis, wo das WC zu finden sei, wäre Bernd ein Zugewinn. Wilma hingegen dient der Entwicklung und steht ausschließlich den Studierenden zur Verfügung.

Im September 2016 ausgepackt wollten sofort alle „Pepper“ kennenlernen, wie es auch der Wunsch zahlreicher Vortragszuhörenden sei, zu denen Seeliger von der Wildauer Innovation sprechen soll. Doch der weißglänzende, gerade mal 1,20 Meter große „neue Mitarbeiter“ ist mit 28 Kilo zu schwer, um herumgereicht zu werden. Auf Youtube gäbe es jedoch genügend Filmchen, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Entwicklung und Einsatz

Folie Frank Seeliger, Folie zum Vortrag "Einsatz humanoider Roboter am Beispiel von Wildau"Man solle jedoch nicht zu viel von Pepper erwarten. Ein normales Gespräch mit echten Menschen kann er noch lange nicht ersetzen. Als zu lange wird die Reaktionszeiten von immerhin nur noch 3 statt vormals 7 Sekunden Dauer empfunden. Es sei auch sehr unwahrscheinlich, dass Pepper sehr bald schon den Menschen ersetzen könne, und Seeliger spricht hier das Moravec’sche Paradoxon an. Komplexe Berechnungen seien für Roboter zwar ein Kinderspiel, nicht jedoch komplexe Bewegungsmuster.

Anders als bei KI-Systemen gäbe es nur eine langsame und schrittweise Entwicklung. Und diese Entwicklung ist im Vorfeld zu definieren, es ist also kein selbstlernendes System, sondern fest konfektioniert. Wobei das Lernen künftig eine große Rolle spielen wird, sobald der „kleine Bruder“ namens Nao Grundschulkindern zu mehr Lesekompetenz verhilft.

Erst seit März 2018, also ein halbes Jahr nach seiner Anlieferung, ist Bernd im Einsatz. Um diese fahrende Litfaßsäule zum Laufen, vielmehr: zum Rollen zu bekommen, wurde viel gearbeitet. Sie überhaupt zu erhalten war hingegen weniger schwierig. Als Seeliger die innovative Anschaffung vorschlug, wurde ihm entgegnet: „Was? Nur einen? Wir kaufen zwei!“

Mittlerweile wurden 7-8 Bachelorabschlussarbeiten über die Pepper-Roboter geschrieben, die sogar Witze erzählen können und den Wetterbericht, Fahrpläne und Ortsangaben drauf haben. Bernds Einsatzbereich könne mit der Funktion eines Chatbots vergleichbar sein, der wohl wieder in Mode käme, so jedenfalls prophezeit es Seeliger. Im Moment allerdings gäbe es noch so einige Schwächen, um ihn als Miniführer bibliotheksraumdeckend einsetzen zu können.

Grenzen, Schwachstellen und Anforderungen

Bernd kann keine GPS-Daten empfangen, hätte kein Bluetooth, und zu viel Sonne nähme er als Widerstand war und verharre auf der Stelle. Außerdem lassen seine Rollen nicht zu, dass er die Schwelle der Aufzüge oder gar Treppen überwinden könne. Gelöst sei noch nicht (die Frage nach personenbezogenen Daten. Da die Peppers über eine Gesichtserkennung verfügen, müsse das im Grunde mit den Eltern abgesprochen werden. Definitiv gäbe es keinen Memoryspeicher.

Technisch gesehen könne man über Leasingverträge den Pepper-Roboter aktuell halten, indem man die einen oder anderen Verschleißteile austauscht, z. B. das Tablet zur Fernbedienung.

Möglichkeiten / Projekte

Interessant war Bernds Einsatz in einem schulischen Kunstprojekt. Die Frage lautete: „Wie nehmen Kinder Roboter wahr?“ Die Folien zeigten aus Pappmaché erstellte Peppers, die für eine Ausstellung zum Motto „Arbeitswelt der Zukunft“ verwendet wurden. Die Selbstverständlichkeit, mit der eine der Peppers ein geöffnetet Buch in seinen Pranken hält, hat fast schon etwas Erlösendes.

Ein weiteres Projekt ist, wie weiter oben angedeutet, die Leseförderung, die auch funktionalen Analphabetismus mit einschließt. Man liest dabei dem Roboter, der still und geduldig zuhört, vor und Pepper stellt Rückfragen oder verbessert Wörter. Ein Stichwort dabei war auch „Antolin“. Kooperationspartner ist die Stadtbibliothek Wildau, die auch den Innovationspreis für Bibliotheken der Länder Berlin und Brandenburg 2017 damit gewonnen hat.

[Diese und weitere Projektszenarien finden Sie hier.]


Aus dem Programm des Deutschen Bibliothekartags 2018:

13.06.2018: TK 2: kommunizieren & handeln / Roboter und Gaming

Einsatz humanoider Roboter am Beispiel von Wildau: Möglichkeiten und Grenzen

Frank Seeliger, TH Wildau, HSB, Wildau, Deutschland

Seit Herbst 2016 besitzt die TH Wildau zwei kindergroße, sogenannte Pepper-Roboter, einen zur Entwicklung (Bernd) und Wilma zum Produktivbetrieb in der Hochschulbibliothek. Verschiedene Einsatzfelder sind definiert und teilweise technisch bereits umgesetzt. Die hochschulinterne Zielvereinbarung fördert diese Entwicklungen. Ob Bibliotheksführung, Hilfe am Kopierer, kleinere Interaktionen mit Kunden oder Ortung sind schon jetzt vorzeigbar. Die rollende Maschine soll im nächsten Jahr die unbemannte Bibliothek als Serviceeinrichtung unterstützen. Neben diesem Projekt erhielt eine weitere Kooperation Auftrieb durch den Gewinn des ersten Innovationspreises der Region Berlin und Brandenburg. Ein kleinerer humanoider Roboter namens Nao soll Grundschulkindern helfen, Lesekompetenzen zu entwickeln.

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