#bibtag14 – Power in allen Größenordnungen

11. Juni 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Sie stehen einander in nichts nach – Großstadtbibliotheken und One Person-Librarys. Auf zwei will ich heute kurz eingehen, deren Vertreterinnen mich auf dem Bibliothekartag in Bremen sehr beeindruckt hatten. Und: ich gehe auf die Vortragstechnik und Stimmung ein, denn dieser Blog ist nicht einfach als Abgesang auf den Bibliothekartag gedacht, sondern möchte, dass Sie „up-to-date bleiben in Soft Skills und Inhalten“.

Am Mi., den 04.06. waren es zwei junge Powerfrauen aus der Stadtbücherei München, Raphaela Müller und Astrid Meckl, die mich fesselten. Der Vortragstitel „Open your home to strangers and see the world – Kooperative Ansätze in der Programmarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Beispiel von „update.jung & erwachsen“, dem neuen Angebot der Münchner Stadtbibliothek“ war genau so umfangreich an Worten wie ihr vorgestelltes Angebotsprogramm an Inhalten.

Zu schwarz, zu giftig und zu viel … und trotzdem viel Applaus!

Präsentiert via Prezi, eine animierfreudige Vortragsfolientechnik, die vor allem die Jüngeren bevorzugen, die mit viel Bewegung kein Problem haben. Unter Verwendung der optisch äußerst ungünstigen Folienfarbe Schwarz. Versehen mit giftgrünen,  viel zu dünnen Überschriften. Darunter ziemlich viel textlastige Übersichten. Und sehr, sehr viele Fotos, die der Reihe nach angeklickt wurden.

Tja, alles also etwas anders als gewohnt, und alles sicher kritisierbar … und doch – es blieb kurzweilig und wurde am Ende kräftig beklatscht. Denn der Charme der beiden Referentinnen, die sich gut in ihrer Moderation abgesprochen hatten, sowie die sympathisch-sichere Vortragsweise rissen einfach mit. Letztendlich überzeugten auch die tollen, offenbar erfolgreichen Aktionen, die in München für Furore gesorgt hatten. Der Content bleibt nach wie vor der Erfolgsgarant, alles andere ist nachrangig.

War’s einfach nur launig?

Doch jetzt wird’s spannend – bleibt nach knapp einer Woche, die seither vergangen ist, mein Interesse an weiteren Informationen über die Münchner bestehen? Oder war’s einfach nur launig?

Dicker Pluspunkt für das Duo Müller & Meckl. Ich hatte tatsächlich nach wie vor Lust, über sie einen Blogartikel zu schreiben. Daher wollte ich mir die Folien noch einmal zu Gemüte führen. Aber ach … schade, auf dem Opus-Publikationsserver waren sie noch nicht eingestellt. Ob ich in einer Woche noch einmal …? Mal sehen, wie lange die Begeisterung anzuhalten vermag.

So oder so … ein Vortrag ist dann gelungen, wenn ich auch in einem halben Jahr bei einer entsprechenden Gelegenheit noch sagen kann: „Hm, da war doch mal was in München, was mit Jugendlichen, so ein super Projekt, irgendwas mit updaten oder so …“. Und dann darf Google ran, oder doch noch mal der Opus-Server?!

Verborgenes gut vertreten

Die nächste mich beeindruckende Vortragende war am Do., den 05.06. zu hören. Dr. Karin Aleksander von der eher im Verborgenen blühenden Genderbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Und auch hier waren es vor allem die Inhalte, die überzeugten. Lassen wir sie selbst sprechen, um was es der unglaublich emsigen One-Personal-Librarian ging, nachzulesen auf ihrem Weblog:

Ich vertrete unsere Genderbibliothek beim 103. Bibliothekstag in Bremen. Dort werde ich beim Treffen der One Person-Libraries die Aufgaben und Besonderheiten der Genderbibliothek des ZtG vorstellen. Außerdem leite ich die AG Gender/Diversity, die zum dritten Mal bei einem Bibliothekstag einlädt und in der wir neue Projekte vorstellen und eigene Themen der Teilnehmenden diskutiert werden können.

Kein Potential verschenkt

Es folgte ein inhalts- und detailreicher Vortrag mit viel Selbstdarstellung – doch das war ja auch der Sinn der Übung. Sich als OPL gegenseitig vorzustellen und zu zeigen: „wir mögen ja alleine sein, doch das mit aller Kraft!“ Und im Falle von Dr. Aleksander wurde „kein Potenzial verschenkt“ – um nur einen ihrer bezeichnenden Wortlaute zu nennen.

Ja, mit so einem „Auftrag“ könnten die einen oder anderen schon mal unangenehm auffallen. Nicht jedoch Dr. Aleksander, die überzeugend und spannend auf ein (für mich) eher un-sexi Thema wie das Manko unzureichender Beschlagwortung im Vergleich mit ihrem Gender-Katalog und dem der Deutschen Nationalbibliothek eingeht, und das an Beispielen von „Higgs-Teilchen“, „Rechtsextremismus / Männer bzw. Frauen“ und „Geschlechterverhältnis“. Auch ihre Frage,  „Wie kommen wir an die großen Kataloge heran?“ lässt mich persönlich eher unberührt – nicht jedoch in dieser Stunde, die die BIB-Kommission für One-Personal-Librarians – mithin Weblogkollege Dr. Jürgen Plieninger – ausgerichtet hat, unter dem Motto: „Das Robinson-Crusoe-Syndrom und was man dagegen tun kann“. Meine über 33 Berufsjahre hinaus gewachsene Ignoranz gegenüber dem Thema „Verschlagwortung“ hielt ich nach diesem Vortrag für unverzeihlich. Was war ihr Geheimnis?

Gut strukturierte Inhalte. Und die Referentin hat uns nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern gefordert. Von wegen, bloß nicht zu viele Inhalte auf Tagungen, sonst gibt es Blähungen! Das Gegenteil ist bei mir der Fall. Ich langweile mich schnell, wenn es über Allgemeines nicht hinaus geht. Ich lasse mich gerne fesseln von prallen Informationen. Nachlesen kann ich es ja immer noch, wenn’s mal zu viel wird. Doch auch hier: die Folien sind leider noch nicht online. Schade!

Manchmal ist weniger dennoch mehr

Vielleicht war es ja gerade gut so, dass ich im Programm nichts von den Inhalten der Referierenden zur OPL-Session erfahren konnte. Manchmal ist weniger Info dann doch wieder mehr, denn wer weiß, ob ich mir den Vortrag überhaupt angetan hätte? Wäre schade gewesen, wenn nicht! Denn nun bereichert der positive Gedanke an diese engagierte Kollegin in ihrer ganz besonderen Bibliothek mein Herz, der ich ein gutes Gelingen all ihrer überragenden Projekte gönne! Zum Wohle der Kundinnen und der Kunden, die das hoffentlich zu schätzen wissen.

Fazit: Glauben Sie nicht allen Präsentationstipps, die kursieren. Der einzige, die wirklich auf lange Sicht (also „nachhaltig“ – doch, hier stimmt’s!) wirkt: Überzeugende Inhalte, dargeboten von sympathisch-empatischen Vortragenden. Oder: Power in allen Größenordnungen.

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