Stagnation der Nutzerkompetenz

18. Oktober 2013 § 2 Kommentare

Lernen ist harte Arbeit, und die Nutzer wollen nicht lernen; sie erforschen die Nutzeroberfläche nicht und kennen die meisten Funktionen gar nicht.

So zu lesen im Newsletter von Jakob Nielsens Alertbox vom 28. 09.13.

Übertitelt wird hier mit den Worten: „Die Nutzerkompetenz stagniert auf niedrigem Niveau“. Viele Nutzer mobiler Anwendungen beispielsweise finden zwar Funktionen, nach denen sie explizit gefragt werden, würden aber von selber nie auf die Idee kommen, sie zu suchen. Man muss sie praktisch mit der Nase darauf stoßen. Sobald Funktionen nur minimal außerhalb des Sicht- bzw. Aufmerksamkeitsbereich liegen, werden sie nicht wahrgenommen oder genutzt.

So viel zum selbstbestimmten Lernen bzw. zur Selbstkompetenz bzw. Informationskompetenz.

Der Artikel geht außerdem der Frage nach, warum die Kompetenz stagniert und ob man zum Lernen ermutigen kann. Yes, wie can! Die Liste der Möglichkeiten ist lesenswert. Hier eine Zusammenfassung in Stichworten:

  • Weniger Funktionen
  • Sichtbare Funktionen
  • Sichtbare Hinweise
  • Spontanes Lernen
  • Machen Sie sich Lernmomente zunutze
  • Toleranz
  • Unverfängliche Vorschau
  • Einfache Usability

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§ 2 Antworten auf Stagnation der Nutzerkompetenz

  • Detlev Hoffmeier sagt:

    Man möchte die Kompetenz verbessern, indem man das Design vereinfacht oder von „Usability“ auf „Persuasive Design“ umsteigt. Das ähnelt einer alten und gleichzeitig modernen Bibliothekstheorie: Lesen fördern durch Schwellenabsenkung des Rezeptionsniveaus. An der Entwicklung von Syntax und Wortschatz der Kinderbücher seit Johanna Spyri kann man erkennen, wie Vereinfachung und Reduktion die Vermarktungsbasis verbreitern. Wäre es nicht seriöser, „Kompetenz“ und „Vermarktung“ nicht in einen Topf zu werfen? Wenn mir eine Mathematiklehrer sagt, das Hauptproblem seiner Achtklässler sei die Lesekompetenz, weil auch in schlichten Sätzen entscheidende Wörter überlesen würden, dann beschreibt das m. E. die in dem Artikel beschriebenen Verfügbarkeitsfehler. Das am leichtesten Verfügbare wird wahrgenommen, alles andere nicht. Tendenz steigend! Kompetenz bedingt doch auch die aktive Suche nach dem nicht Verfügbaren. Wird jetzt durch persuasive Design Verfügbarkeit „provoziert“, so ist das verhaltenssteuernd und verkaufsfördernd. Mit „Kompetenz“ hat das nicht zwangsläufig etwas zu tun. Dann könnte man auch fordern, das Textaufgaben so zu formulieren sind, dass sie die Lösung nahelegen. Dem Abschneiden bei Vergleichstests mag das förderlich sein. Das war es dann aber auch, denn die Realität ausserhalb der Warenwelt unterwirft sich nicht den Finessen des Produkt-Designs, seien es eine App oder eine Matheaufgabe. Ich will den verlinkten Artikel nicht abwerten, er ist sehr erhellend und lesenswert. Aber man sollte schon darauf hinweisen, dass dieser Kompetenzbegriff ein sehr spezifischer ist.

    Mein Lesetipp in diesem Zusammenhang: „Apps essen Lesen auf!“

    http://www.buchreport.de/nachrichten/verlage/verlage_nachricht/datum/2013/10/17/apps-essen-lesen-auf.htm

    sowie

    http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum/2013/09/30/lieber-angry-birds-als-harry-potter.htm?no_cache=1&cHash=169991b38fec83eefa5ce4013b6976fd

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  • […] nicht kennen und macht Vorschläge, wie man diese Misere zumindest etwas verbessern könnte. Fortbildung in Bibliotheken fasste die Ergebnisse […]

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